Ouro Preto & Petrópolis: Traces of the Gold Rush

Brasilien 🇧🇷

Ouro Preto 10.08.2026 🇧🇷

Unsere Reise führt uns über Belo Horizonte nach Ouro Preto. Über die BR40 erreichen wir schon bald die Aussenquartiere von Belo Horizonte, einer Grossstadt mit etwa 2.5 Millionen Einwohnern. Das macht sich auch am Verkehr bemerkbar! Da es in guter alter Tradition der letzten Tage Hügel rauf und Hügel runter geht, nur mit bedeutend mehr Verkehr, sind wir schon bald im Kriechgang unterwegs. Aber auch das „überstehen“ wir und schon bald zweigt unser Weg von der BR40 ab in Richtung Ouro Preto ab. Und weiter gehts mit Hügeln….runter auf 800m und dann rauf auf 1‘450m wo Ouro Preto liegt. Hier ist es gleich ein paar Grad kühler, dazu sagen wir natürlich nicht nein. Unser Stellplatz, wie könnte es anders sein, ist auf einem Bus-Parkplatz, ideal gelegen für einen kurzen Fussmarsch ins Stadtzentrum von Ouro Preto.
Ouro Preto hat eine der dramatischsten und faszinierendsten Geschichten ganz Amerikas. Die Stadt war im 18. Jahrhundert zeitweise größer als New York oder Rio de Janeiro und schwamm im wahrsten Sinne des Wortes in Gold.
Die Stadt heißt übersetzt „Schwarzes Gold“. Als die ersten Entdecker (die Bandeirantes) Ende des 17. Jahrhunderts hier in den Flüssen Gold fanden, war es von einer dünnen Schicht aus Eisenoxid überzogen und sah pechschwarz aus. Erst beim Schmelzen kam das gleißende, reine Gold zum Vorschein. Dieser Fund löste den größten Goldrausch der Neuzeit aus.
Eine der berühmtesten Legenden der Stadt ist die von Chico Rei. Er war ein afrikanischer Stammeskönig, der als Sklave nach Ouro Preto verschleppt wurde. Er musste in den Minen schuften, schmuggelte aber jahrelang Goldstaub in seinen Haaren und unter den Fingernägeln heraus. Damit kaufte er zuerst die Freiheit seines Sohnes, dann seine eigene und schließlich die seines gesamten Stammes. Sie erwarben eine eigene Goldmine (die Mina do Chico Rei, die man heute noch besichtigen kann) und wurden wohlhabend.
Die prächtigen Kirchen der Stadt verdankt Ouro Preto einem Mann namens Antônio Francisco Lisboa, besser bekannt als Aleijadinho („das kleine Krüppelchen“). Er litt an einer schweren, verunstaltenden Krankheit (vermutlich Lepra oder fortgeschrittene Arthritis), durch die er seine Finger verlor. Trotz unvorstellbarer Schmerzen ließ er sich Meißel und Hammer an die Handstümpfe binden und schuf daraus die spektakulärsten barocken Skulpturen und Kirchenfassaden Brasiliens.
Der Hauptplatz, Praça Tiradentes, ist nach Tiradentes („der Zahnzieher“) benannt. Er war der Anführer der Inconfidência Mineira (1789), dem ersten großen, aber gescheiterten Aufstand gegen die portugiesische Krone, weil diese horrende Goldsteuern verlangte. Tiradentes wurde verraten, in Rio gehängt und sein Kopf wurde zur Abschreckung auf genau diesem Platz aufgespießt. Heute steht dort sein Denkmal als Nationalheld.
Warum gibt es in Ouro Preto so unglaublich viele Kirchen nebeneinander? Das lag an der strengen Trennung der Bruderschaften (Irmandades). Es gab Kirchen für die reiche weiße Elite, Kirchen für die Mischlinge und eigene Kirchen für die schwarzen Sklaven. Jede Bruderschaft versuchte, die andere mit noch mehr Prunk und Gold im Inneren zu übertrumpfen.
Es ist ein absolut faszinierendes Städtchen, welches jeder besuchen sollte, der in Region unterwegs ist. Allerdings benötigt man auch ein wenig Ausdauer, denn…..es geht steil rauf und steil runter.
Am Ende unseres Besuches treffen wir noch auf eine in Brasilien gängige Wandmalerei….der Wunsch Brasiliens nach dem 6.Weltmeistertitel (HEXA) im Fussball! Hat im 26 nicht ganz geklappt, aber im 2030 gibts dann den nächsten Anlauf….
Und der Mineiro geht in alter Tradition hoch zu Ross einkaufen.

Pedro Correia De Almeida 21.08.2026 🇧🇷

Wir verlassen Ouro Preto und freuen uns auf tolle Landschaften über die nächsten 70km….so sagt man. Hätten wir gewusst was uns erwartet, wäre die Vorfreude eventuell nicht ganz so gross gewesen… Unser Weg führt von Ouro Preto über den Itatiaia und Ouro Branco bis nach Conselheiro Lafaiete wo wir wieder in die BR40 einbiegen. Aber dieser Weg hat es in sich! Die Straße folgt dem historischen Caminho Velho (Alter Weg) der Estrada Real (Königliche Straße). Im 17. und 18. Jahrhundert transportierten Sklaven und Händler auf diesem Pflasterweg tonnenweise Gold und Diamanten aus den Minen zur Küste von Rio de Janeiro. Die Straße führt direkt an monumentalen Gebirgsketten vorbei, welche uns absolut faszinieren. Felswände ragen steil empor und bieten eine dramatische Kulisse während der Fahrt.
Die Route ist allerdings extrem bergig, kurvenreich und weist starke Steigungen sowie Gefälle auf. Für uns ist die Strecke landschaftlich wunderschön, erfordert aber wegen der unübersichtlichen Kurven erhöhte Aufmerksamkeit. Durchgehend 10-12% Steigung und Gefälle, LKWs welche mit 20kmh rauf und mit maximaler Geschwindigkeit runter donnern, am besten in unübersichtlichen Kurven überholen nur um bei der nächsten Steigung wieder im Kriechgang zu enden, fordern viel von uns und vor allem unserem BJ. Also 4×4 und Untersetzung rein und sich nicht hetzen lassen…ein Retarder wäre jetzt richtig toll und ein Mitteldifferential für unseren 4×4 würde auch helfen und….. Aber es geht auch so und nach etwa 3h erreichen wir Conselheiro Lafaiete wo wir unserem BJ und uns eine Pause gönnen. Wenigstens wissen wir jetzt wie der Notlauf beim Sprinter funktioniert…

Petrópolis 21.08.2026 🇧🇷

Der Weg nach Petrópolis führt uns durch immer vielfältigere Landschaft, die riesigen Felder verschwinden und es wird bergig. Auch weiterhin geht es Hügel rauf und Hügel runter, wir sind jedoch jetzt auf einer doppelspurigen Autostrasse, auf welcher genug Platz für alle ist. Ein Stopp an einer Tankstelle und, wie fast auf jeder Raststätte, gibt es ein Buffet wo man fast nicht nein sagen kann. Meistens ist es so viel man will und eine Pauschale von umgerechnet etwa CHF 5.00 pro Person oder es geht nach Gewicht und man zahlt pro 100gr etwa CHF 1.60. Und das Essen ist richtig gut! Auch Bierbrauereien gäbe es etliche anzusehen auf dem Weg, aber wir sind ja am Fahren. Und letztendlich finden wir den Weg nach Petrópolis und zu unserem Zuhause für die nächsten Tage, Espaçio Overlander, am Rande der Stadt. Wir sind froh, dass es bei unserer Anfahrt nicht geregnet hat, denn die Strassen zum Stellplatz sind im klassischen Kopfsteinpflaster, steil und rutschig. Diese Erfahrung macht dann auch unser Uber Fahrer…. Bei der erster Abfahrt gehts in der Kurve geradeaus, die Mauer wird touchiert und der Randstein gibt den Rest. Also, seine Felge ist dahin aber bis zu unserem Ziel reicht es gerade noch…..
Ein erster, kurzer Ausflug in die Stadt macht uns neugierig auf mehr, denn Petrópolis ist die alte Kaiserstadt und es gibt einiges an sehr interessanten Gebäuden zu bestaunen. Dies und vieles mehr werden wir über die nächsten Tage in aller Ruhe auskundschaften und uns ein wenig von den letzten Tagen erholen, bevor es dann still runter nach Rio de Janeiro geht.

Petrópolis 24.08.2026 🇧🇷

Heute geht es auf Erkundungstour durch Petrópolis. Man mag es kaum glauben, aber im 19. Jahrhundert zog im brasilianischen Sommer die gesamte Regierung von Rio de Janeiro hierher um. Dem Kaiser Dom Pedro II. war es im tropisch-heißen Rio schlicht zu schwül. In den kühlen Bergen der Serra dos Órgãos baute er seine Sommerresidenz. Petrópolis wurde so zur heimlichen Hauptstadt Brasiliens.
Wir besuchen zuerst die Kathedrale São Pedro de Alcântara. Die gewaltige Kirche im neugotischen Stil zieht alle Blicke auf sich und birgt das kaiserliche Finale: In einer Seitenkapelle, dem Mausoléu Imperial, liegen die Gebeine von Kaiser Dom Pedro II. und seiner Frau begraben. Das Kuriose: Nach dem Ende der Monarchie 1889 wurde die kaiserliche Familie verbannt und verstarb im europäischen Exil. Erst Jahrzehnte später wurden ihre Körper mit großem Pomp per Schiff nach Brasilien zurückgeholt, um in „ihrer“ Stadt begraben zu werden.
Als nächstes besuchen wir das kaiserliche Museum, allerdings ohne Museumsbesuch, aber der grosse Park ist sehr erholsam und das macht uns heute etwas mehr Spass als durch ein Museum zu „gleiten“. Denn wenn man heute das kaiserliche Museum (Museu Imperial) besucht, muss man weiche Filzüberpantoffeln anziehen, um den originalen, edlen Holzparkettboden nicht zu beschädigen. Man schlittert also regelrecht durch die kaiserlichen Gemächer.
Auf unserem Spaziergang durch die Stadt wundern wir uns immer wieder über deutsche Strassennamen und vieles mehr, dass uns an Deutschland erinnert. Mit etwas Nachschlagen finden wir auch den Grund:
Der deutsche Ingenieur Julius Friedrich Koeler plante die Stadt am Reißbrett. Weil die ersten rund 2.000 Siedler vor allem aus Deutschland stammten, taufte er die Stadtteile nach deren Heimatregionen: Bingen, Westphália, Mosela (Mosel) oder Ingelheim. Bis heute fließen die Flüsse mitten durch die Straßenbetten des historischen Zentrums, gesäumt von wunderschönen Alleen (wie der Avenida Koeler). Es wirkt fast wie ein tropisches Bad Homburg oder Baden-Baden.
Es gibt auch ganz interessante Kaffees und auch dort gibt es einen Hintergrund:
Wenn die Brasilianer (die „Cariocas“ aus Rio) am Wochenende der Hitze entfliehen, tun sie etwas erstaunlich Deutsches: Sie gehen in Petrópolis in Traditionskonditoreien wie die Konditorei Katz. Dort isst man dann Schwarzwälder Kirschtorte, Apfelstrudel oder Croquetes bei kühlem Bergwetter. Auch das Bauernfest lockt jedes Jahr im Juni und Juli Hunderttausende Besucher an, die in Dirndl und Lederhosen bei Sauerkraut und brasilianischem Handwerksbier feiern.
Es gäbe noch so viel über Petrópolis zu erzählen, zum Beispiel über den weltberühmten, österreichische Schriftsteller Stefan Zweig oder den Kristallpalast (Palácio de Cristal) oder…..Etwas Müde kehren wir nach unserem ersten Tag wieder zurück auf unseren Stellplatz, wo wir uns noch ein wenig mit unseren französischen Reisenachbarn unterhalten und anschliessend in unserem BJ erholen

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