Irak 🇮🇶
Durchs wilde Kurdistan 24.03.2024 🇮🇶









Nun also doch…wir reisen durch den Nordirak oder besser, durch Kurdistan. Mit den Bildern von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar im Kopf reisen wir voller Erwartungen Richtung innerirakischer Grenze. Doch bevor es los geht steht uns noch ein anderes Abenteuer bevor…..Diesel tanken. Ohne auf weitere Details einzugehen….Bilder sprechen Bände und ja, es riecht danach alles nach Diesel. Aber nun geht’s los! Und gleich das nächste Abenteuer…Bagdad im Morgenverkehr wer es noch nie erlebt hat…ihr habt nichts verpasst und wollt es auch nicht erleben und trotz allem winken uns die meisten Verkehrsteilnehmer ganz freundlich zu.
Raus aus Bagdad, heute ohne Begleitschutz aber trotzdem im Konvoi geht’s von Checkpoint zu Checkpoint. Mal den Pass, mal das Carnet de Passage und mal beides. Es wir kontrolliert was das Zeug hält!
Aber nichts hält uns auf und wir erreichen die Grenze zu Kurdistan, welche eigentlich nicht wirklich eine Grenze ist. Aber das macht nichts, denn auch hier heisst es Papiere zeigen, ins Fahrzeug gucken, Fragen stellen und gut ists.
Willkommen in Kurdistan! Aber der moderne Kara Ben Nemsi fährt heute mit dem Auto und, welche Überraschung, leider auch nicht viel besser als seine Kollegen aus dem Zentralirak. Und das Abenteuer ist wieder einmal die Strasse, einmal ist es lustig, aber vielfach ziemlich brenzlig. Zusätzlich regnet es zeitweise ziemlich stark und die Schlaglöcher nehmen zu und werden tiefer.
Was uns jedoch auffällt, Kurdistan ist grüner, moderner und sauberer als der Zentralirak und man wähnt sich zeitweise schon in der Türkei.
Etwas erschöpft aber glücklich erreichen wir, nach etwa 340km und 8 Stunden, unseren Stellplatz in Sulaimanyya. Hier bleiben wir die nächsten zwei Nächte, denn morgen geht’s auf eine gemeinsame Stadtbesichtigung.
Sulaimaniyya / Halabdscha 25.03.2024 🇮🇶




















Und schon wieder ein Busausflug, ist halt eine Abenteuer-Tour! Heute ist unser Ziel der Markt von Sulaimaniyya und das Denkmal in Halabdscha. Der Markt, oder auch Souk in der Fachsprache, entpuppt sich als ein buntes Gewirr von Strassen mit einem unendlichen Angebot an fast allem. Wir laufen und laufen und kaufen, aber nach 2 1/2 Stunden ist Schluss. Es steht uns nämlich noch eine längere Busfahrt nach Halabdscha bevor. Halabdscha hat im Jahre 1988 traurige, weltweite Berühmtheit erlangt, an welche mittels eines Denkmal erinnert wird. Am 16.März 1988 fliegt die irakische Luftwaffe einen Angriff auf die kurdische Stadt Halabdscha und setzt dazu chemische Waffen ein. Die Folgen sind verheerend, die Todesopfer werden auf 3200 bis 5000 geschätzt, die Verletzten auf etwa 7000 bis 10000 Einwohner. Detailliertere Infos findet man auch auf dem Internet, z.Bsp. https://de.wikipedia.org/wiki/Giftgasangriff_auf_Halabdscha
Die Bilder, welche wir sehen sind sehr bedrückend und, obwohl schon einige Zeit seit dem Ereignis vergangen sind, spührt man immer noch die Emotionen der Mitarbeiter des Denkmals.
Abermals verlassen wir einen Ort etwas bedrückt, der Irak ist eine Leidensgeschichte wie wir ihn auf unserer Reise in dieser Form noch nicht erlebt haben. Trotzdem kommt auf unserem Rückweg noch die Sonne und wir geniessen die wunderbar grüne und bergige Landschaft bei schönem Wetter.
Dukan Lake 26.03.2024 🇮🇶













Wir verlassen Sulaimaniyya und machen uns auf zum Dukansee. Also Kamele haben sich nun definitiv verabschiedet, dafür gibt’s wieder Kühe. Kurdistan überrascht uns auch heute: moderne Shopping Center, alles sehr sauber, die Strassen nicht wirklich gut aber bedeutend besser als im Zentralirak. Die Landschaft wird richtig grün! Und wie kann es anders sein….es regnet, windet und ist einige Grade kälter als noch vor ein paar Tagen.
Die heutige Reise ist kurz, etwa 75 km, und so gehen wir den Tag gemütlich an. Mal einkaufen, mal Pause, mal etwas anschauen. Aber so richtig raus reizt uns nicht wirklich. Verwöhnt mit dem gutem Wetter der letzten Monate, bleiben wir heute einfach mal in unserem Joey.
Um etwa 15:00 erreichen wir dann unser heutiges Ziel, dem Dukansee.
Auszug aus der Magazin „Spiegel“ vom 21.01.2019:
Der Dukansee in der Autonomen Region Kurdistan ist von Menschen geschaffen. Die Wasserfläche von etwa 270 Quadratkilometern entstand in den Fünfzigerjahren, als der Kleine Zab, ein Fluss, der nordöstlich des Hauptsees durch die Landschaft mäandert, aufgestaut wurde. Deshalb ist der See auch in zwei Teile geteilt: Im Norden zieht er sich durch gewundene, teils enge Schluchten, die den Anschluss zum Kleinen Zab bilden. Im Süden dominiert die offene Seefläche.
Der Dukansee spielt eine entscheidende Rolle für die Region. Seine Talsperre ist zusammen mit dem Darbandichan-Damm der einzige Staudamm der Provinz Sulaimanija und für die Stromversorgung wichtig. Dafür sorgen Turbinen und eine über hundert Meter hohe Staumauer.
Doch auch für die Wasserversorgung der Region ist er von Bedeutung. Er verfügt über eine Speichermenge von fast sieben Millionen Kubikmetern – ein Teil davon stammt von einem weiteren Fluss, dem Hizop. Beide Gewässer sind stark von Regenfällen und getautem Schnee abhängig. Deshalb variiert der Wasserstand des Sees stark. Im Frühjahr erreicht er seinen Höchststand, im Sommer sinkt er ab.
Wir sind ja jetzt im Frühjahr und siehe da….auch heute arbeitet der See am Erreichen des Höchststandes, denn es regnet auch am Abend immer noch. Aber morgen soll die Sonne wieder rauskommen….Inschallah.
Shaqlawa 27.03.2024 🇮🇶










Wir verlassen den Dukansee bereits wieder und machen uns auf nach Shaqlawa. Nur 75km heute, machen wir doch locker…..oder nicht. Mit einem Schnitt von 20kmh geht diese Etappe gute vier Stunden. Die Strassen muss man einfach mal erlebt haben! Scheinbar handelt es sich um eine Schmugglerstrasse für Treibstoff! Unzählige Tank-Lastwagen säumen den Weg, Checkpoints sorgen dafür, dass alles korrekt kontrolliert wird und riesige Löcher in der Strasse besorgen den Rest. Beschleunigen auf 40kmh ist schon fast wie fliegen. Aber wir schaffen auch das und kommen wohlbehalten in Shaqlawa an. Unser Stellplatz ist einfach nur ein Stück Land, nein….es sorgen Truthähne für lautstarke Unterhaltung. Und zu guter letzt gesellen sich auch noch drei sehr zutrauliche Kühe zu unserer Gruppe, das kann ja noch heiter werden!
Nach etwas ausruhen geht’s auf Erkundungstour, die Shopping-Meile ist ja gerade vor unserer Haustüre. Sehr schöne Kaffees, Restaurants und Läden säumen die Strasse aber es ist doch eher ruhig, den es ist ja…..Ramadan. Also Kleider kaufen ja, Kaffee trinken nein. Na ja, für etwas Bewegung reicht es trotzdem. Den Abend verbringen wir dann im Joey, denn die Nächte werden nun empfindlich kalt. Auch die Kühe sind nun im Stall und die Truthähne….scheinen ruhig zu sein.
Rawandiz 28.03.2024 🇮🇶











Heute geht’s von Shaqlawa nach Rawandiz und Kurdistan zeigt sich für unsere letzten Tage im Irak von seiner schönsten Seite. Schon kurz nach unserer Abfahrt geht’s den Berg rauf mit Steigungen ausserhalb dem gewohnten aus der Schweiz. Die Landschaft wird immer bergiger und es schneiden sich tiefe Täler in die Landschaft. Es ist auffallend wie grün alles ist und es gibt mehrere Wasserfälle, welche Unmengen von Wasser ins Tal befördern. Auf den höchsten Hügeln liegt noch Schnee und auch wir ziehen uns, trotz Sonnenschein, wieder wärmer an. Unglaublich, aber wir sind nur etwa 70km von der iranischen Grenze entfernt. Angekommen in Rawandiz geht’s auf den höchsten Stellplatz im Ort, von wo wir eine herrliche Aussicht geniessen. Bei herrlichem Wetter erkunden wir unsere Umgebung, welch uns mit wunderschönen Bildern beschenkt. Kaum zu glauben, dass wir hier im Irak sind!
Rawandiz 29.03.2024 🇮🇶









Heute geht’s auf eine Wanderung in den Canyon von Rawandiz. Rawandiz liegt auf einer Straße, die Erbil und Mosul über den Garu-Schinka-Pass mit der iranischen Stadt Mahabad verbindet. Die Stadt befindet sich an einem wunderschönen Ort, mitten in den Bergen und massiven Schluchten. Voller Tatendrang machen wir uns also auf zu unserer Wanderung. Pünktlich um 13:30 holt uns der Busfahrer ab und es geht, durch ein paar Fotostops unterbrochen, tief in eine Schlucht hinunter. Unten angekommen geht’s zu Fuss weiter. Der Weg ist anfänglich ganz gut, die Landschaft von einmaliger Schönheit, aber dann….. Da es vor ein paar Tagen geregnet hat, ist es an den Schattenhängen noch sehr glitschig. Zudem wird sich der Weg immer mehr zu einem Pfad und wir müssen uns gegenseitig helfen die kritischen Passagen zu bewältigen. Irgendwann ist dann Schluss und es heisst retour auf demselben Weg. Das war ein Abenteuer….aber es ist alles gut gegangen und wir sind um eine Geschichte reicher.
Am Abend sind wir bei einer kurdischen Familie zum Nachtessen eingeladen. Unserer Bedenken, dass es eingelegte Schafsköpfe und sonstige, lokale „Leckereien“ gibt, verfliegen bald. Das Nachtessen ist sehr lecker und wir sind uns einig….das war eines der besten lokalen Essen unserer Reise. Aber wie immer nach lokalem Essen….der wahre Test kommt erst später. Und um es vorwegzunehmen, wir konnten sehr gut schlafen….also Test bestanden!
Dayrabun 30.03.2024 🇮🇶







Heute geht’s von Rawandiz über Dohuk an die Grenze zur Türkei. Auch auf diesem Weg dominiert die Farbe Grün, die Hügel, die Berge, einfach alles erscheint so idyllisch, wären da nicht die regelmässigen Checkpoints. Die Militär und Polizeipräsenz ist sehr hoch, auch heute werden wir regelmässig kontrolliert und je mehr wir von unserem Reiseleiter erfahren, desto mehr begreifen wir die vielen Sicherheitskontrollen.
Auf dem Weg zur Grenze geht’s noch einmal zum Einkauf. Wir machen Halt in Dohuk, einer 500‘000 Einwohner zählenden, grossen und modernen Stadt. Das Einkaufszentrum könnte gerade so gut in Saudi Arabien oder der Türkei sein, es gibt einfach alles. Nach unserem kurzen Stop geht’s weiter zu unserem Stellplatz an der Grenze, wo uns erst einmal ein Froschkonzert erwartet. Ja, so ist das mit dem Campen, man weiss nie was einem am nächsten Stellplatz wirklich erwartet. Na dann, gute Nacht.
Türkei 🇹🇷
Willkommen in der Türkei 31.03.2024 🇹🇷
















Um 05:00 geht der Wecker, denn um 06:00 heisst es Abfahrt zur Grenze. Der Tag ist also gekommen, wo sich der Kreis unserer Reise wieder schliesst. Gute 4 1/2 Stunden später ist es wirklich wahr, wir sind wieder in der Türkei, unser Ziel heist Kloster Mor Gabriel bei Midyat. Es ist eines der ältesten christlichen Klöster der Welt. Es liegt im Tur Abdin in der Südosttürkei und ist bis heute eines der bedeutendsten Klöster der Syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien und Sitz des Metropoliten des Tur Abdin Mor Timotheos Samuel Aktaş.
Nun, um dorthin zu gelangen geht’s nochmals über richtig holprige Autostrassen und da es sich um ein ziemlich kritisches Grenzgebiet handelt (Iran/Irak/Syrien) gibts nicht wenige Checkpoints.
Die richtig schönen Landschaften aus dem Nordirak nehmen wir gleich mit. Der Abend ist dann ziemlich ruhig bevor es morgen nochmals diverse Führungen und unser definitives Abschiedsessen gibt.
Mor Gabriel Monastery 31.03.2024 🇹🇷














Das Kloster Mor Gabriel (auch bekannt als Dayro d-Mor Gabriel oder Kloster von Qartmin) ist das älteste noch aktive syrisch-orthodoxe Kloster der Welt. Es wurde im Jahr 397 n. Chr. von den Asketen Mor Shmuel und seinem Schüler Mor Shemun gegründet und liegt auf dem Tur-Abdin-Plateau in der Provinz Mardin im Südosten der Türkei.
Für die aramäischen Christen gilt es als eine Art „zweites Jerusalem“. Das Monument zeichnet sich durch seine immense historische, religiöse und architektonische Bedeutung aus:
Das Kloster bewahrt die syrische Kultur und Sprache. Es ist einer der wenigen Orte weltweit, an denen Aramäisch (die Sprache Jesu) im Alltag gelehrt und in der Liturgie gesprochen wird.
Die Festungsanlage aus hellem Kalkstein thront auf den Hügeln. Sie fasziniert durch imposante Kuppeln (wie die Theodora-Kuppel), feine Steinmetzarbeiten und seltene Mosaike aus dem 5. und 6. Jahrhundert.
Unter der Erde befindet sich die Ruhestätte von zehntausenden Heiligen, Märtyrern und Mönchen, darunter auch der Heilige Gabriel von Beth Qustan, ein Bischof des 7. Jahrhunderts, nach dem das Kloster benannt
Midyat 01.04.2024 🇹🇷






















Nein, das ist kein Aprilscherz…es ist wirklich zu Ende. Nach 25‘400km, 185 Tagen und 10 Ländern ist das Weihrauchstrassen – Abenteuer zu Ende. Ein letztes Mal geht’s auf eine Führung, dieses Mal durch Midyat. Midyat, mit seinen ca. 120‘000 Einwohnern, besteht aus einem neueren und einem älteren aber sehr schön renovieren Stadtteil. Wie schon zu Beginn unserer Reise, führt uns auch heute Levent mit sehr viel Fachwissen durch die Stadt. Am Abend gibt’s noch einmal ein Abschiedsessen, wo wir unseren Reiseleiter Valery mit Geschenken und Gesang gebührend verabschieden. Anschliessend verabschieden auch wir uns von allen Teilnehmern, was uns (fast) allen sichtlich schwer fällt. Wir hatten über die letzten 6 Monate das Privileg mit wirklich lieben Menschen die Reise unseres Lebens erleben zu dürfen und dafür sind wir unendlich dankbar.
Ein Buch schliesst sich, aber ein neues öffnet sich….denn unser „Long way back“ fängt morgen an und wir freuen uns natürlich auch weiterhin auf alle die uns folgen möchten. Wir möchten uns gleichzeitig auch bei all unseren treuen Polarsteps-Folgern ganz herzlich für die Treue und die vielen lieben Kommentare bedanken, Ihr ward toll! Good bye and see you again soon

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